meta http-equiv="X-UA-Compatible" content="IE=EmulateIE8" > AZB Arbeitsgemeinschaft Zürcher Bildhauer - AZB Arbeitsgemeinschaft Zürcher Bildhauer

2004 Romeo Gruenfelder

Sofern Hans Renggli 1993 bereits zum 10 jährigen Jubiläum des AZBs zugunsten des von ihm befürchteten Aussterbens der Bildhauerkunst schreibt, daß “die Physis aber, gerade im Zustand kultureller Vernebelung, das bleibende, bergende Weltgefäss” sei, bezieht er sich bewusst oder unbewusst auf den Wortschatz eines Martin Heidegger, der die Kunst ihrem Wesen nach “inmitten” der Unverborgenheit des Seins verortet. Wie dieses nebulöse Zentrum zu erreichen sei, dafür liefert Heidegger selbst freilich keine Orts- und Wegbeschreibung, die Physis der Kunst im antiken Sinne ihres “Wesens” zu bedenken, dazu rät er jedoch dem Künstler dringend, schon allein um nicht transzendentalen Begriffen wie “Stoff” und “Form”, “Gefäss” und “Inhalt” aufzusitzen.
“Es ist nicht der Prozess selbst, nur die Öffnung zu diesem, eine Markierung der Einstiegsstelle” schreibt Renggli, und liefert gleichsam unter der Hand die Wegmarken, an denen entlang Heideggers Holzwege um das Offene prozessieren. Die Absicht allerdings, eine Einstiegstelle zu finden, scheint allerdings und entgegen Rengglis Diktum schon der Prozess des Offenen, der Rechtsstreit selbst zu sein, in dem die unüberwindbare Offenheit erst zu Tage treten kann. Mit dem März Newsletter soll daher dem voranschreitenden, handelnden Prozess entgegen einem offenen Zwiespalt der Auseinandersetzung ein acht Seiten kurzer Prozess gemacht werden mit der Hoffnung, in der Kürze des Verfahrens einem ästhetischen Urteil nicht und dann doch unweigerlich vorgegriffen zu haben.
Man möge mir mein Drängen im Text verzeihen als eine nicht nur den sterblichen Körper des Bildhauers betreffende Arbeit gegen den Tod, um im Modus Renggli zu bleiben. Weitere vertiefende Rechtsgutachten und Zeugenbefragungen zum Begriff “Raum” finden am 26.3. im Gastatelier des AZBs sowie in einem der Folgemonate in Form eines “Salonkonzerts mit Einführung” statt, zudem alle Mitglieder des AZBs herzlich eingeladen werden.
Sofern also – gemäß Satzung – noch unentschieden bleibt, welche “Gemeinsamkeit” die Mitglieder des AZBs “eint”, ist vom größten anzunehmenden Unfall, kurz, dem Super-GAU des Raumes – seien es die günstigen Ateliers und Arbeitsräumlichkeiten, sei es das über den bloßen Gefühlsraum hinausreichende Universum von 20 aktiven Bildhauer des AZBs – auszugehen. Sich dem zu verschliessen hiesse, sich seiner “Grundlage” zu verschliessen. In diesem Sinne der von mir verfasste Newsletter als Versuch, Raum – nicht ohne Konsequenz für die Praxis – zu denken.

Romeo Grünfelder, Schlieren 3.2004

gast
Gastatelier