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2012 Adnan Softić

 
(… ) In den wenigen Jahren seit seinem Studienabschluss hat Softić bereits ein
beeindruckendes künstlerisches Werk geschaffen. Sein Schwerpunkt liegt im
multimedialen Bereich (Experimental- und Spielfilm, multimediale Installation,
Audio-, Musik-, Videoperformance) und Medientheorie. Diese Aktivitäten
verorten sich in den unterschiedlichsten Institutionen und Räumen, in
Museen, Galerien, Kinos, Theatern, Clubs und Off-Räumen.
Softićs Arbeiten untersuchen und formulieren auf vielfältige Weise aktuelle
Fragestellungen zu künstlerischer Produktion und nationaler Identität.Wie
kann nach dem jugoslawischen Bürgerkrieg, nach der Erfahrung einer
persönlichen bzw. nationalen Katastrophe mitten in Europa überhaupt
Kunstproduktion noch aussehen? In seinen von ihm selbst als
posttraumatisch bezeichneten künstlerischen Verfahren mit ihrer
vielschichtigen Mischung aus fiktivem und dokumentarischem Material
scheint die Ambivalenz zwischen Ereignissen und ihrer Interpretation immer
wieder subtil auf.
So wird sein Musikprojekt „Loma“ („Loma“ bedeutet in der Sarajevoer
Umgangssprache „wenig“) von Softić als posttraumatische
Unterhaltungsmusik beschrieben: Zeichen des Ausbruch werden angedeutet,
aber letztlich doch verweigert. Musikalische Versatzstücke aus der
slawischen Folklore, dem Pop und des Noise werden hier zu statischen
Musikblöcken von großer Dichte verarbeitet und gleichzeitig eine intensive
künstliche Anspannung aufgebaut, die sich aber nie wirklich entlädt.
Dass Sprache dem Überblick aller Beziehungen nicht gerecht werden kann,
ist eine Grundeinsicht für die Kunstproduktion Softićs. Das Spektakel, bei
dem alle Sinne angesprochen bzw. überwältigt werden, fasziniert und
beunruhigt ihn gleichermaßen. Er setzt sich mit seinen Arbeiten bewusst ab
von der allgemeinen Hyper-Spektakel- Produktion und sucht im Gegenteil
nach konsequenter Entwertung von Symbolen, nach dem Erscheinen des
„Noch-nicht-Dargestellten“, nach dem Verorten des Unbekannten.
Seine filmischen Strategien reiben sich an den Entwicklungen des
Erzählkinos der letzten Jahrzehnte, es geht um Momente der Spannung und
deren Auflösung, Angst, den Körper im öffentlichen Raum, Bewegung/
Transparenz/Oberfläche, Verlust des Überblicks, Bloßstellung des Vertrauten,
Zerbrechlichkeit der Bilder, Realität in der Fiktion bzw. Fiktion, die zum
Dokument wird. (…)
Michaela Melián

 

verein
Gastatelier