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2013 Michael Kleine

„…Man geht davon aus, dass es in vergangener Zeit ein anderes Bewusstsein, eine andere Wahrnehmungsform gegenüber unserer Umwelt, gegenüber Lebewesen und Objekten gab. Dabei ist interessant, dass wir diese Bewusstseinsform heute nur noch theoretisch erfassen, aber nie wieder beherrschen können. Es war eine zivilisatorische Vorform, die wir deshalb nicht mehr erreichen können. Sie bestand darin, dass es damals keine Unterscheidung gab zwischen einem realen Lebewesen oder einem realen Gegenstand und Symbolen, Repräsentanten, Abbildungen… – Dingen, die ihre Funktion primär darin haben, von sich selbst abzulenken und auf etwas anderes zu weisen – : ein Symbol, das etwas anderes bedeutet; einer, der einen anderen repräsentiert, eine Abbildung, die etwas anderes zeigt… Wenn damals ein Ton-Pferd in ein Grab gelegt wurde, war die Annahme und Überzeugung und Empfindung, dass das Ton-Pferd ein reales Pferd ist – und kein Symbol für ein wirkliches Pferd. Es ist das Pferd. Ähnlich diente auch ein Möbelstück, das als Opfer oder Grabbeigabe verwendet wurde, nicht dazu, ein reales Möbel zu symbolisieren oder an ein reales Möbel zu erinnern, sondern es wurde immer als das reale Möbelstück wahrgenommen, in seiner ganzen Funktionalität und Bedeutung und Wirkungsweise.

Es handelt sich um eine Auffassung von Dingen, die möglich ist bevor man die Umwelt mit Funktionen und Bedeutungen belegt; um einen Zustand in dem es noch keine Einteilung gibt, was in welcher Funktion zu mir oder anderen Bestandteilen meiner Umwelt steht. Es ist ein Bewusstsein, dass mich zunächst eins-zu-eins gegenübertreten lässt, in einer realen Konfrontation. Um überhaupt erst mal eine Verbindung und Direktheit möglich zu machen, ist es wichtig, das Gegenüber, den Gegenstand als das wahrzunehmen, was er ist – in seiner ganzen Reduziertheit und Einfachheit. In dieser Art von Begegnung ist es wichtig, dass das Andere in seiner Eigenständigkeit und Losgelöstheit zunächst anerkannt oder erkannt wird. Auf dieser Basis finden die Projektionen und Verbindungen statt, die man macht und erfindet. Diese Idee ist wie eine Technik, die man verwenden kann, um schlussendlich eine Komplexität zuzulassen, eine Komplexität, die dann aber auch erfahrbar wird, die nicht ausgedacht, vorausgedacht wird – sondern direkt erfahren wird…“

 

Michael Kleine studierte Musiktheater-Regie an der Theaterakademie in Hamburg. Seit 2006 arbeitet er kontinuierlich an Objekten und Performances. Ein wichtiges gemeinsames Motiv dieser Arbeiten ist die Auslotung des Kontaktes von Zuschauer und Darsteller bzw. von Betrachter, Objekt und Künstler. Er ist außerdem als Performer, sowie als Ausstatter und Dramaturg tätig.

 

 

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