FokusSkulptur*
Eine Folge von acht Ausstellungen und acht Gesprächen


In der Kunstkammer,
dem strahlend gelben Ausstellungskubus der Arbeitsgemeinschaft Zürcher Bildhauer (AZB) auf dem Gaswerkareal in Schlieren
kuratiert von Kathrin Frauenfelder, Gastkuratorin 07/08


Ausstellungskonzept 07/08

1983 schloss sich rund ein Duzend Bildhauer und Bildhauerinnen zusammen, um Lösungen zur Verbesserung ihrer harten Arbeitsbedingungen in der Stadt Zürich zu suchen. Aus diesem Bestreben ging die Gründung eines Vereins hervor, der heute 29 Mitglieder zählt, und der seither eine grössere Anzahl historischer Gebäude auf dem Gelände des Zürcher Gaswerkareals in Schlieren restauriert, und darin zahlreiche Ateliers und Werkplätze eingerichtet hat.

Seit 2006 betreibt die Arbeitsgemeinschaft Zürcher Bildhauer auf dem Gaswerkareal in Schlieren/Zürich mit der Kunstkammer einen eigenen, begehbaren Ausstellungsraum. Der strahlend gelbe Kubus steht inmitten der open air Arbeitsplätze der Zürcher Bildhauerinnen und Bildhauer, wo er dem Charme des „Barackendorfs“ einen kecken Akzent aufsetzt. In der Kunstkammer stellen sowohl Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft wie auch Gäste aus. Das Programm wird von einem jährlich wechselnden Gastkurator/Gastkuratorin geplant und realisiert. Das Ausstellungsprogramm der Kunstkammer ist ein wichtiger Beitrag der Arbeitsgemeinschaft, die Kultur der Bildhauerei zu fördern und das skulpturale Schaffen in seinen vielfältigen Ausprägungen, dem Publikum zu vermitteln.

Im April 2007 läuft das neue Ausstellungsprogramm 07/08 an. Unter dem Titel FokusSkulptur* umfasst es eine Folge von acht Ausstellungen und acht Gesprächen. Im 2007 bereits ausgestellt haben die folgenden Künstlerinnen und Künstler: René Odermatt, Aldo Mozzini, Christian Kathriner, Anna-Maria Bauer. Im Jahr 2008 werden ausstellen Lutz& Guggisberg, Pascale Wiedemann&Daniel Mettler, Ursula Hirsch sowie Philippe Winninger.

Zwar ist das skulpturale Schaffen in allen seinen Variationen wieder auf dem Vormarsch, doch immer noch markiert es im gegenwärtigen Kunstdiskurs eine Randerscheinung. Gerade deshalb findet im Anschluss an jede Vernissage eine Diskussionsrunde zum Thema statt. Namhafte KunsthistorikerInnen moderieren ein Gespräch mit dem ausstellenden Kunstschaffenden, geladenen Diskutanten und Diskutantinnen sowie dem Publikum. Ausgangspunkt ist das jeweils in der Kunstkammer ausgestellte Werk. Die Gespräche selbst finden in einer benachbarten Lagerhalle statt. Diese entpuppt sich mit den meterhoch aufgetürmten Containern und dem Glasdach als veritable Industriekathedrale. Dieser eindrückliche, in der Regel aber verborgene Raum, ist ausnahmsweise während der Gespräche öffentlich zugänglich und erlebbar. Er wird allein schon durch seine Dimensionen und seine Atmosphäre stimulierend auf die Gespräche wirken. 

Für Gesprächsstoff sorgt aber auch der gesamte Austragungsort der Veranstaltungen, das Gaswerkareal in Schlieren. Dieser aussergewöhnliche Ort ist selbst eine über die Jahre hinweg gewachsene Skulptur. Hier treffen historische Gebäude auf industrielle Bauwerke, treffen Schrebergärten auf Lagerhäuser, Gaskessel auf Parkplätze. Vor allem aber prägen die Bildhauerateliers und die zahlreich platzierten Plastiken das Gelände. Neben den open air Ateliers stehen die Skulpturen an denen gerade gearbeitet und die neu am entstehen sind. Auf dem Turmplatz richtet Roland Hotz pro Jahr eine neue Ausstellung ein. Die Stadt Schlieren unterstützt die AZB. So sind bis ins Schlieremer Stadtzentrum die Spuren der Bildhauerei auszumachen, wo im Umfeld des Stadthauses und der Bibliothek Skulpturen im öffentlichen Raum stehen. 07/08 sind unter anderem Werke von Heinz Niederer, Kerim Seiler, Piero Maspoli, Peter Storrer oder Martin Senn zu sehen. Alljährlich findet anlässlich der Eröffnung der neuen Saison im April die grosse Eröffnungsveranstaltung „Skulptur in Schlieren“ statt. 

Die Veranstaltungsreihe verfolgt das Ziel mit pointierten Positionen etwas von der Vielfalt des aktuellen, skulpturalen und installativen Schaffens aufzuzeigen. Sie will Verständnis wecken für die materielle und plastische Körperlichkeit der dreidimensionalen Gestaltung, für die variablen Positionierungen von Objekten im Raum und die daraus entstehende Vielansichtigkeit. Die Gespräche und Diskussionen liefern dazu die Hintergrund-informationen. Sie zeigen auf, wie Kultur und Technologie auf das aktuelle plastische Schaffen einwirken und wie die Künstler diese Impulse aufnehmen um selbst wieder als Impulsgeber zu fungieren. Die Ausstellungsfolge soll aber auch ganz allgemein die Aufmerksamkeit auf das Areal der Arbeitsgemeinschaft Zürcher Bildhauer lenken, als einen der wenigen Orte wo Skulptur nicht nur geschaffen sondern sozusagen auch gelebt wird. Die Einladung zum Besuch des Gaswerkareals sowie die Ausstellungen und Gespräche richten sich sowohl an das breite Publikum wie auch an den Kunstliebhaber/die Kunstliebhaberin, an Kunstschaffende, Architekten, Designer und an KunstwissenschaftlerInnen und KuratorInnen. 


Zürich/Schlieren, April 07/08 KF