Pascale Wiedemann / Daniel Mettler: downhill

Mit tausenden von Elementen aus dem USM – Möbelsystembau hat das Bündner Künstlerpaar Pascale Wiedmann und Daniel Mettler ein Gerüst gebaut. Dieses überziehen sie mit einer 18 kg schweren Decke, die sie aus zweiundsiebzig, 50 x 50 cm grossen, aus Topflappenwolle und handgestrickten Teilen, zusammenfügten. Die aufgesteckten roten Fähnchen, lassen keinen Zweifel aufkommen: Die Installation mit dem Titel downhill simuliert eine Skipiste. Die Kunstkammer, der strahlend gelbe Ausstellungskubus, mutiert zu einer Bühne. 

Für ihre Arbeiten greifen Wiedemann/ Mettler immer wieder auf bestehende Systeme und Bausätze zurück. War es früher das Spiel mit Lego so ist es heute ein Möbelbausystem. Und so wie sie einerseits für die Konstruktion ihrer Installationen sehr teure Materialien verwenden, so benützen sie andererseits auch billige Werkstoffe aus dem häuslichen Bereich, wie Topflappengarn. Doch nie geht es dem Künstlerpaar darum die hypen Gegenstände oder die trashigen Materialien als ästhetischen Wert an sich zu demonstrieren. Wiedemann/Mettler entkoppeln die Systeme und Werkstoffe ihrer Funktion, um auf diese Weise Spielraum für Interpretationsverschiebungen zu schaffen und um so listige, kritische und ambivalente Inhalte zur Darstellung zu bringen. 

So sind etwa in downhill intensive Emotionen im Spiel. Denn wenn das Künstlerpaar mitten im Sommer die neue Skisaison eröffnet, so kann die Installation durchaus als kritisches Statement gegen Absurditäten und Exzesse im Wintersport verstanden werden. Es ist eine Vorliebe des Künstlerpaars in ihrem Oeuvre auf extreme Auswüchse der modernen Konsum- und Leistungsgesellschaft zu fokussieren und mit Witz und Ironie einprägsame Denkbilder zu schaffen, die gewisse Auswüchse, aber auch gewisse Sehnsüchte unserer Gesellschaft vor Augen führen und zu Bewusstsein bringen. 

Kathrin Frauenfelder
Gastkuratorin Kunstkammer 07/09