| „À la Gloire de Plastok“ heisst der Titel des neuen Werkes, das Philippe Winninger eigens für die Kunstkammer, dem strahlend gelben Ausstellungskubus der AZB auf dem Gaswerkareal in Schlieren realisiert hat. Philippe Winningers Installationen sind nicht mit traditionellen Bildhauermaterialien wie Stein, Holz oder Metall hergestellt. Sein Werkstoff - trivial und einzigartig zugleich – sind industriell gefertigte alltägliche Plastikartikel, wie zum Beispiel das Plastikgeschirr, die Schüsseln, Teller, Löffel, die wir für unser Picknick im Grünen verwenden. Aber auch andere Gebrauchsgegenstände aus dem Haushalt wie Seifenschalen, Dosendekel, Abflussfilter, Wäscheklammern, Pflanzenunterteller, Plastikbälle oder Röhren und Steckelemente aus der Elektrobranche kommen zur Anwendung. Regelmässig ist der Künstler auf der Pirsch und durchstreift die Haushaltsabteilungen und Do-it yourself Läden nach neuer Plastikware, die er für seine futuristisch anmutenden Konstruktionen verwenden kann. Seit über zwölf Jahren schichtet und stapelt der Künstler die verschiedenen Elemente zu neuen Formen. Diese Tätigkeit hat viel Ähnlichkeit mit der Methode des Legospiels, jenes insbesondere bei Kindern so beliebten Baukastenspiels. Wie diese baut auch Philippe Winninger immer wieder neue Welten in die wir mit unserer Fantasie eintauchen können. Nie wiederholen sich die Motive. „In a bit of Atmosphere“ konstruierte der Künstler mit transparenten Trinkbechern und mehreren Computeranimationen eine Art Bühne auf die er hunderte von kleinen skulpturalen Kostbarkeiten stellte. In „Salon de Beauté“ imitierte er mit tausenden von Plastikartikeln einen Schönheits- und Coiffeursalon, in „Altäre und Ikonen“ zauberte er mit Glanzpunkten und Lichteffekten die Glitzerwelt der Weihnachtszeit hervor, und erst kürzlich baute er im Zentrum Paul Klee in Bern einen „Garten am Waldrand“ mit wundersamen Plastikpflanzen auf. Das spielerische Element ist in den Arbeiten von Philippe Winninger immer präsent. Doch stets basieren die Arbeiten auf einer konzeptuellen Verankerung. Die Gegenstände, die Philippe Winninger in den Verkaufsregalen eben erst entdeckte, sind grosse grüne Regentonnen. Mit diesen baut er in der Kunstkammer ein monumentales Objekt. Das Objekt stellt in gewissem Sinne eine Art Denkmal dar, mit dem der Künstler, ironisch und hinterlistig zugleich, die Herrlichkeit des Plastok zelebriert, jenes Materials, das er über alles liebt. „À la Gloire de Plastok“ (Plastok ist Argot für „plastique“) ist das lustvolle Produkt eines Künstlers, der mit schelmischem Vergnügen eine Rebellion des Ausserkraftsetzens des Gängigen und des Alltäglichen praktiziert. Kathrin Frauenfelder Gastkuratorin Kunstkammer 08/09 |
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