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Severin Müller

1964 geboren in Glarus

Kunstgewerbeschule und Bildhauerausbildung in Zürich

Hochschule der Künste Budapest

Hochschule der Künste Berlin bis 1990

 

 

Einzelausstellungen:

1986 Galerie Emmerich Baumann,Zürich

1990/ 94/98/2001 Galeria Monumental,Lissabon

1999 Galerie Serge Ziegler, Zürich

2003 Ausstellungsraum 25 (Kenworthy-Ball), Zürich

2006 Ausstellungsraum 25 (Kenworthy-Ball), Zürich

2006 Galeria Monumental, Lissabon

 

 

Gruppenausstellungen:

1993 Helmhaus, Zürich

1994 Helmhaus, Zürich

1995/96/98/99/00/01/03 ARCO Madrid

1998 Galerie S. Ziegler, Zürich

1999 Art – Cologne, Köln

1999 Galerie S. Ziegler, Zürich

2004 Liste 04, Basel

2004 Ausstellungsraum 25 (Kenworthy-Ball), Zürich

2005 Helmhaus Zürich

2005 preview berlin

2006 Art Rotterdam

2010 AZB for ever Helmhaus Zürich

 

Auszeichnungen und Preise:

1989/93/98/2003/2007 STEO-Stiftung,Zürich

1993 Atelier Stadt Zürich Genua

1994 Jubiläumsstiftung UBS

1993/96 Georges und Jenny Bloch-Stiftung

1997/99 Kantonales Stipendium,Zürich

2003 Kantonales Stipendium Glarus u.Schindlerstiftung

2005 Cassinelli-Vogel- Stiftung

2006 Dr. Adolf Streuli-Stiftung

2007 Schindler-Stiftung / Stiftung Erna und Curt Burgauer

2010 Hans und Wilma Stutz-Stiftung Herisau

 

Werke im öffentlichen Besitz

Kunsthaus Glarus

Gemeinde Bilte GL

Gemeinde Lengnau BE

Fritz Zwicy-Stiftung Mollis GL

Kanton Zürich

 

 

 

 

Eine Katze ist eine Katze

 

Drei Katzen. Die helle in der Mitte, die beiden dunklen rechts und links. Sie sind von kräftiger Statur, sie sitzen aufrecht, die Ohren sind gespitzt. Aufmerksam blicken sie herab vom Podest. Gewiss nicht auf dieselbe Maus, denn sie hocken zwar nebeneinander, doch ihre Körperachsen weisen in leicht verschiedene Richtungen. Ein Fächer aus Katzen also. Eine Katze allein wäre eine ganz gewöhnliche Katze, drei Katzen in Körperkontakt nebeneinander, die in Katzenmanier drei verschiedene Punkte fixieren, macht jede der Katzen zu einer ungewöhnlichen Katze.

Eine Katze sei eine Katze und keine Metapher, sagt Severin Müller herb, der die drei aus Holz geschnitzt hat. Drei Katzen seien drei Katzen. Mehr gebe es nicht zu sagen. Der Bildhauer ist kein Mensch der vielen Worte. Seine Skulpturen sollen eigenständig in der Welt bestehen können und auch ohne Kontext oder Hintergrundinformationen verstanden und gemocht werden. Am wichtigsten sei für ihn, dass seine Objekte autonom funktionieren. Sie sollen selbstgenügsam sein, nur auf sich verweisen, und haben es nicht nötig, irgend etwas anderes zu sein als sie offensichtlich sind. Wozu bräuchte es daher Erläuterungen des Künstlers?

Viel zu didaktisch erscheint dem Bildhauer daher auch die Erklärung auf die neugierige Frage, wie seine Skulpturen entstehen und was ihr Vorbild sei. Auf seinem Arbeitstisch liegen Ausrisse aus Tageszeitungen; oft sind es Photographien von Menschenansammlungen – Leonid Breschnew und Willy Brandt, die sich, umringt von ihrem Gefolge, 1973 über den Verhandlungstisch beugen, die Grossfamilie Bin Laden, aufgenommen 1971, wie sie sich um einen Cadillac gruppiert. Von diesen Aufnahmen finden sich Umrissskizzen und kleine, dreidimensionale Modelle aus Wellpappe. In den Ecken und an den Wänden des Ateliers hocken und lehnen Umsetzungen in Holz. Doch aufgepasst: «Politische Kunst ist nicht möglich. Wer als Künstler Politik machen will, muss auf der Strasse demonstrieren».

Severin Müller interessiert, was herauskommt, wenn er die zweidimensionalen Photographien in dreidimensionale Objekte umsetzt, um die er herumgehen kann. Mal sind seine Skulpturen grob aus massivem Holz mit der Motorsäge herausgeschnitten, mal aus Holzplatten zusammengebaut, und ob es nun Menschen oder Katzen sind, die Skulpturen sind immer etwas grösser als erwartet. Es ist, als ob durch die Grösse die bodenständige Machart aufgewogen werden solle. Das hat etwas kokett Überhebliches.

Mitten in seinem Atelier in einem ehemaligen Industrieareal in der Nähe Zürich steht ein weiteres Podest aus Holz in der Form eines Blumentopfs, daraus ragen Blumen, gesägt aus dicken Spanplatten. Rote Blüten, in der Art, wie Kinder sie malen, sitzen auf kurzen schwarzen Stengeln. Eine Blume ist eine Blume ist eine Blume? Ein zweiter Blick offenbart: die Blüten sind ein Regenschirm, den eine Windbö nach aussen gestülpt hat, die Stengel sein Schaft, der von einem Menschen gehalten wird, dessen Oberkörper aus dem Podest ragt: das aufgemalte Gesicht ist dasjenige George W. Bushs – eine in Holz geschnitzte Momentaufnahme des amerikanischen Präsidenten, wie er bei einem Unwetter mit einem Regenschirm über den roten Teppich schreitet, der vor der Falltreppe des Flugzeugs ausgelegt ist.

Verstehen – so sind wir es gewohnt – bedeutet Zeichen zu interpretieren. Wörter etwa verweisen immer auf etwas anderes, weisen weg von sich, weisen weiter auf das, was sie bedeuten. Der rauhe Charme der Skulpturen von Severin Müller hingegen genügt sich selbst. Sie lassen sich nicht für etwas anderes vereinnahmen, stehen nicht im Dienst einer Botschaft. Ihre unmittelbare Sinnlichkeit ist ihr Sinn. Ihre statische Präsenz besitzt eine heitere Unbeschwertheit. Von der Decke baumelt eines seiner jüngsten Werke: je an einem eigenen Faden die Infantin, die beiden Kammerzofen, die Zwerge, der Hund, der Spiegel, der Maler mit dem Pinsel in der Hand. Velasquez’ «Las Meninas» als Mobile, leicht im Luftzug der offenen Fenster und Türen tanzend.

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