Piero Maspoli (*1949)
Ohne Titel, 2007
Sandstein


Leicht geneigt, liegt in den Boden eingelassen, eine aus dem Steinbruch heraus gebrochene Sandsteinplatte. Quer darüber liegt ein Stab aus demselben Material. Das Kunstwerk von Piero Maspoli fasziniert, obwohl es vielleicht zunächst verschlossen wirkt. Doch nimmt man sich etwas Zeit für die Betrachtung, so beginnt die Arbeit bald vielfältig zu sprechen. 

Die einzelnen Seiten sind sehr unterschiedlich: Einige Seiten sind unbearbeitet, andere weisen zahnmusterähnliche Strukturen auf. Der Herstellungsvorgang wird sichtbar und die Grundmöglichkeiten der Steinbearbeitung durch Spalten, Schneiden und Bohren werden explizit gemacht. Auch die gestalterische Qualität der Eingriffe: der Dialog zwischen den Vorstellungen des Künstlers und der Eigengesetzlichkeit des Steins. 

Piero Maspolis Arbeitsweise gehört einer kunstgeschichtlichen Entwicklungslinie an, die ihren Ausgang in der Mitte des 20. Jahrhunderts hat. Seither wird in der Bildhauerei Stein nicht mehr allein verwendet, um aus ihm eine akademische Bildnisstatue oder eine allegorische Figur zu formen. Die Materialität des Steins wird Thema. Das Volumen bzw. das Verhältnis der verschiedenen Volumina zueinander und auch der Herstellungsprozess werden zum Gegenstand der Anschauung und der Reflexion gemacht. Jedes Werkzeug der Steinbearbeitung hat nicht nur eine spezifische Funktion, sondern es hinterlässt charakteristische Spuren. Piero Maspoli setzt diese gezielt ein, um „seinen“ Steinen ganz bestimmte Muster, Konturen und stille Präsenz zu verleihen.

Indem Piero Maspoli einen minimal bearbeiteten Steinquader an einem unscheinbaren Ort im öffentlichen Raum in Schlieren platziert, macht er diesen Ort zu einem ästhetischen Erfahrungsraum und es zeigt sich dem/der Betrachter/in die Schönheit des Steins. 


Kathrin Frauenfelder
Gastkuratorin Kunstkammer 07/08