Severin Müller (*1964)
2 Katzen, 2007
Betonguss, schwarz bemalt


Nicht schlecht staunte der Reisende, als er eines Tages zwei Katzen auf dem Bahnhof in Schlieren sitzen sieht. Die eine kehrt dem Geschehen den Rücken zu und blickt grimmig die Säule an. Die andere sitzt etwas abseits auf einem Perron. Katzen am Bahnhof? Haben sich die beiden Tiere verirrt? Im ersten Moment sehen die beiden Katzen täuschend lebendig aus. Erst auf den zweiten Blick merkt der Betrachter, dass sich die Katzen nicht bewegen. Auf diesen kurzen Augenblick der Irritation hat es der Künstler abgesehen.

Der auf dem Gaswerkareal in Schlieren arbeitende Bildhauer Severin Müller hat seine eigene Katze als Modell genommen. Er hat das Motiv zunächst in Holz geschnitzt, dann in Wachs abgeformt, in Beton gegossen und schliesslich schwarz bemalt. Doch Severin Müller ist kein Porträtist. Er hat seine Katze nicht abgebildet, so wie sie die Maler der Renaissance abbildeten und den porträtierten Menschen als Zeichen der Treue zu Füssen gelegt haben. Severin Müller hat vielmehr die Kopie einer Katze geschaffen. Die Kopie hat er noch einmal verdoppelt und platziert die beiden Exemplare nun mit Witz und Hinterlist an ungewohnten Orten im öffentlichen Raum. So schafft der Künstler am Bahnhof in Schlieren vorübergehend eine neue Situation, die als Trugbild täuschend echt wirkt und die auch die Wahrnehmung stimuliert. Denn die Welt lebt von unserer Aufmerksamkeit. Die Dinge werden erst lebendig, wenn wir nachschauen. 


Kathrin Frauenfelder
Gastkuratorin Kunstkammer 07/08