| Piero Maspoli (*1949) Ohne Titel, 2008 Vier Stahlcontainer, Stahlplatten, Betonfundament |
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Aus vier Frachtcontainern hat Piero Maspoli einen Turm konstruiert. Dabei hat er die Behälter auf die Stirnfläche gekippt. Er hat sie auf vier Eisenplatten, die auf einem Fundament aus Beton eingegossen sind, angeschweisst. In der Mitte, der vier zusammen geschobenen Containern ist ein quadratischer Innenraum entstanden. Durch eine Öffnung ist der Innenraum betretbar. Erst kürzlich ist die Häuserzeile, in der das Kaffee Johner einst beherbergt war aus städtebaulichen Massnahmen abgerissen worden. Die Parzelle wird neu konzipiert. Ein neuer Busbahnhof wird an diesem Ort gebaut und auf der gegenüberliegenden Strassenseite wird ein moderner Bau mit Wohnungen und Geschäften errichtet. In ein paar Jahren wird der Platz um den Bahnhof herum kaum mehr wieder zu erkennen sein: Schlieren wird erstmals ein eigenes Stadtzentrum haben. An der Peripherie dieses Geländes steht nun vorübergehend die architektonische Plastik von Piero Maspoli. Die Skulptur hat monumentalen Charakter. Mit ihren zwölf Metern Höhe, wird ihr Volumen, ihre Masse und ihre materielle Beschaffenheit im städtebaulichen Kontext kaum zu übersehen sein. Sie wird den Blick jener, die auf der Strasse vom Stadthaus in Richtung Bahnhof marschieren, auf sich ziehen. Je nach Standort auf ihrem Weg, werden die Betrachtenden entdecken, dass die Skulptur auf unterschiedliche Weise im Gefüge der Umgebung wirkt und sie werden in ihrer Wahrnehmung realisieren, dass sich verschiedenste Spannungsverhältnisse zwischen Skulptur und Architektur ergeben. Die Turmskulptur spielt so das Potential aus, über das die Bildhauerei grundsätzlich verfügt, indem sie nämlich ein eigenes physisches und visuelles Kräftefeld schafft und so im Kontrast steht zum konventionellen Bauprinzip des architektonischen Umfeldes. Unter anderem wird auch die Gestalt der Skulptur irritieren. Denn Piero Maspoli hat die Frachtcontainer nicht senkrecht aufgestellt. Vielmehr hat er die einzelnen Behälter mit einem Neigungswinkel von ca. 3 Prozent nach aussen gekippt. Das scheint nicht viel zu sein. Doch oben gehen die Container sechsunddreissig Zentimeter auseinander, so dass zwischen den Behältern eine Lücke klafft. Die Schrägstellung der Container wirkt nicht nur ungewohnt, sie beeinflusst unser Wohlbefinden. Sie steht im Gegensatz zu den im rechten Winkel gebauten Gebäudevolumen. Wir sind uns gewohnt, dass die Wände im rechten Winkel senkrecht auf dem Boden stehen. So geben sie uns Halt und Orientierung. Das Prinzip von Tragen und Lasten, nach dem unsere Häuser nicht erst seit der klassischen Architektur der Griechen gebaut sind, prägen unsere Existenz. Schiefe Wände und schiefe Ebenen fordern deshalb nicht nur unseren Gleichgewichtssinn oder schärfen unser Bewusstsein für die Balance unseres Körpers im Raum, sondern sie fordern auch unser Denken heraus. Im Innenraum sind die Abweichungen ebenso intensiv spürbar. Kathrin Frauenfelder Gastkuratorin Kunstkammer 08/09 |
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