Kerim Seiler (*1974)
„Clones International – Stop 2: Europe“ (Ringstrasse, Turmstrasse)
Work in Progress
Holz, Beton, Lack


Für Kerim Seiler ist der städtische Raum ein lebendiger Organismus in dem nicht nur die Menschen mit ihren Geschichten, sondern auch die verschiedenen Baukörper, Räume und Strukturen miteinander in Beziehung stehen. Es kommt denn auch vor, dass der Künstler da und dort fremd wirkende Objekte in den öffentlichen Raum einschleust und diesen damit belebt. Diese Elemente tauchen plötzlich auf, so wie zum Beispiel die grüne Kreisform auf einem Hausdach an der Ringstrasse oder wie die rote an der Turmstrasse. Die Holzkonstruktionen waren früher bereits in anderen Städten zu sehen. So hatte sie der Künstler in Kapstadt und in New York auf Dächern montiert. Ein anderes Mal standen sie in Lüneburg. Nun hat sie der Künstler in Schlieren auf dem Hausdach angebracht, wo sie in einer Weise fussen, als wäre das Hausdach ein Sockel. 

Seilers Installation aus Dachlatten und Holzbrettern erinnert an Werbetafeln. Diese sind an manchen Orten – in Städten und entlang von Autobahnen - ebenso in grosser Höhe montiert und ihre Information ist weit herum sichtbar und lesbar. Auch in Schlieren ist die Installation weit herum sichtbar. Doch sie unterscheiden sich eminent von einer Werbetafel. Sie verkünden keine konkrete Botschaft. Ihre Form gleicht eher einem abstrakten Zeichen. So scheint sie auf nichts anderes zu verweisen als auf sich selbst. Betrachten wir das Gebilde jedoch eingehender, entpuppt es sich als ein Pinselstrich mit triefendem Farbtropfen. 

Hier wird also niemand zum Konsum verleitet. Seilers Konstruktion erzeugt vielmehr ein Gegenbild zur üppigen Werbeästhetik. Der Künstler schafft eine Fiktion, die zum Nachdenken und zum Fabulieren anregt und die die Bewohnerinnen und Bewohner der Stadt ermuntert, die Stadt mit ihren Formen und Farben auf eigene Weise zu betrachten und sich ihr eigenes Bild zu machen. Kerim Seilers Konstruktion aktiviert den Ort und verwandelt ihn vorübergehend in einen Ort des kulturellen Geschehens. Bald schon werden die Formen wieder auf andern Dächern in anderen Städten stehen… 

Kathrin Frauenfelder
Gastkuratorin Kunstkammer 07/08